.... im Spiegel der Presse - 2006 -

Ungewöhnliche Wege zur Rettung eines Kunstdenkmales – Der Altar in der Stadtkirche Schleiz
"Die öffentliche Aufgabe Denkmalpflege kann nur dann funktionieren, wenn es Menschen gibt, die zum einen die Initiative besitzen, derartige Lösungen anzustoßen und durchzuführen, und zum anderen dafür durch pfiffige Ideen oder Mäzenatentum die notwendigen Mittel beschaffen."
Mit diesen Worten würdigte Landeskonservator Dr. Stefan Winghardt die Idee von Prof. Dr. Wulf Bennert und bedankte sich für das Engagement der Kreissparkasse Saale-Orla für die Rettung des Schleizer Schnitzaltars.
Der barocke Altar in der Stadtkirche von Schleiz gilt als einer der bedeutendsten Schnitzaltäre des Protestantismus in Deutschland, vollendet im Jahre 1721 von dem Künstler Johann Samuel Nahl.
Doch bereits kurz nach der Fertigstellung begann an diesem wertvollen Kulturgut nicht nur der Zahn der Zeit zu nagen, sondern vor allem eine Generationsfolge von Anobien (Holzwürmer). Diese gefräßigen Holzschädlinge, die eine Population von 160 Exemplaren pro Kubikdezimeter bilden konnten, haben den Altar schon großflächig pulverisiert und gefährden somit seinen Fortbestand...

mehr: Link zur Originalseite der Firma Bennert
--- Ostthüringer Zeitung vom 10.10.2006: Holzwurm ruiniert wertvollen Altar ---

Die Kreissparkasse Saale-Orla will mit dem Verkauf des Sparkassenkalenders 2007 den ersten Schritt tun, um den 1721 von Johann Samuel Nahl vollendeten barocken Schnitzaltar in der Schleizer Stadtkirche St. Georg zu retten. Am Montag trafen sich Denkmalspezialisten und kommunale Vertreter in der Kirche, um über den weiteren Weg dahin zu beraten.

Die meisten Besucher des Gottesdienstes oder anderer Veranstaltungen in der Schleizer Stadtkirche St. Georg sehen den herrlichen Schnitzaltar nur von weitem. Auf den ersten Blick erscheint er gut erhalten. Wer Gelegenheit hat näher heranzutreten, stellt fest, dass er durch und durch vom Anobium punktatum zerfressen ist - besser bekannt als Holzwurm - und genau genommen fast nur noch von der Farbe zusammengehalten wird. Höchste Zeit etwas zu tun, bevor das barocke Kunstwerk durch sein eigenes Gewicht unvermittelt in sich zusammenstürzt.

Initiator einer Rettungsaktion ist Dr. Dr. Wulf Bennert, Gründer und Geschäftsführer der Bennert Restaurierungen GmbH in Hopfgarten, Chef der Bennert-Gruppe mit fast 300 Mitarbeitern, und in Nimritz ansässig. Es ist jener Bauunternehmer, der das Schloss Nimritz als neuer Eigentümer mit hohem Einsatz saniert und dafür in diesem Jahr den Thüringer Denkmalpreis bekommen hat (OTZ berichtete).
Bennert brachte am Montag Landeskonservator Dr. Stefan Winghardt nach Schleiz, Kirchenbaureferent Wolfgang Panzer, Prof. Dr.-Ing. Christel Nehring vom Fachbereich Bau- ingenieurwesen der Fachhochschule Erfurt, an der Bennert auch Honorarprofessor ist, sowie Landrat Frank Roßner, Sabine Berner von der Unteren Denkmalschutzbehörde, Vertreter der Stadtverwaltung und weitere Experten sowie die Hausherren, das Pfarrerehepaar Winterberg. Sie alle hörten zunächst einen Vortrag von Christoph Cron, der im vergangenen Jahr zum Thema "Untersuchung zur Stickstoff-Behandlung anobiengeschädigter Holzbauteile bei geringem Unterdruck" an der Fachhochschule eine mit einem Förderpreis ausgezeichnete Diplomarbeit geschrieben hat, die sich auf den Altar der Schleizer St. Georgskirche bezieht.
Angeregt hatte diese Arbeit Br. Bennert, der auch als Praxisbetreuer fungierte. Cron machte den Anwesenden deutlich, dass allein das von ihm gewählte Verfahren einer Stickstoffbegasung des Altars in der Kirche in einem luftdicht abgeschlossenen Zelt innerhalb eines Zeitraumes bis zu fünf Wochen die Sicherheit bietet, alle Anobien zu töten und dem Zersetzungsprozess ein Ende zu bereiten, ohne das Kunstwerk zusätzlich zu schädigen. Die eigentliche Sanierung des Altars kann erst danach beginnen und ist dann das wohl aufwändigste Unterfangen, das noch bevor steht. Die Erstsicherung, die noch in diesem Jahr erfolgen soll, wird etwa 30 000 Euro kosten.

Landeskonservator Dr. Stefan Winghardt bedankte sich im Namen der staatlichen Denkmalpflege für die Unterstützung seitens der Kreissparkasse und der Bennert-Gruppe. Er räumte ein, dass die staatlichen Mittel nicht ausreichen, um gefährdete Denkmale im Land zu sichern und zu sanieren. "Die öffentliche Aufgabe Denkmalpflege kann nur dann funktionieren, wenn es Menschen gibt, die zum einen die Initiative besitzen, derartige Lösungen anzustoßen und durchzuführen, und zum anderen dafür durch pfiffige Ideen oder Mäzenatentum die notwendigen Mittel beschaffen."

Dr. Wulf Bennert bedauerte, dass Denkmale oft erst dann ins Bewusstsein der Menschen und der Geldgeber rücken, wenn "Flammen hell herauslodern" wie bei der Anna Amalia Bibliothek in Weimar. "Der Altar in Schleiz hat den Nachteil, dass die Gefahr, in der er schwebt, so unmerklich ist." Die Gefahr für den Schleizer Altar ist unmerklich. Wenn nichts getan wird fällt er einfach in sich zusammen. Dr. Wulf Bennert

Von OTZ-Redakteur Uli Drescher