Oschitz
- Kirche St. Markus
(aus dem Buch "Kirchen im Oberland"
von Peter Weiss, Berlin 1988)
Unter dem Altar der Oschitzer Kirche soll eine
Heilquelle verborgen sein, deren Rauschen man angeblich zuzeiten
hören kann. Diese Sage enthält vielleicht eine alte
Erinnerung an vorchristliche Zeiten. Denn die Kirche liegt am
Fuße des Oschitzer „Kulmes“, in den Abhang des
Berges hineingebaut. Auf dem Berg soll ein altes heidnisches
Heiligtum gelegen haben, weshalb die Kirche, wie es heißt,
diesen ungünstigen Bauplatz erhalten hätte. Das
entspricht aber eigentlich nicht der Praxis des Mittelalters,
christliche Kirchen an die Stelle heidnischer Heiligtümer zu
setzen. Eher möchte man annehmen, daß oben, über
der Kirche, eine alte Befestigung gewesen ist. Oschitz lag ja an
einer alten Heeresstraße, zudem zweigt hier der für die
Frühgeschichte des Oberlandes wichtige Weg nach Burgk ab. So
nimmt es auch nicht wunder, daß fast sechs Jahrhunderte die
Familie Kospoth hier saß, die dem Haus Reuß seit alters
verbunden war. An solch einer Stelle brauchten die Fürsten
verläßliche Verbündete. Name und Anlage des
Ortes deuten auf slawischen Ursprung. Die erste Kapelle
gründete Purgold von Kospod 1333.
Doch zu größeren kirchlichen Festen mußten
die Oschitzer damals nach Schleiz gehen.
1614 wurde die heutige Kirche gebaut. Wieweit altes Mauerwerk
benutzt wurde, ist nicht erkennbar, ihr Baukörper wirkt
jedenfalls sehr einheitlich. Prächtig sind die beiden
Renaissanceportale, die zu den schönsten des Oberlands
gehören. Besonders das südliche ist mit aus Stein
gehauenen Ornamenten und figürlichem Schmuck reich
verziert. Heute dient das etwas schlichtere, doch ebenfalls
sorgfältig gearbeitete Westportal als Haupteingang.

In der Kirche fällt die von der Renaissance geprägte
Gestalt des Innenraums auf. Die Zeit der Gotik ist vorbei,
spürbar am mächtigen Triumphbogen, dessen
Scheitelhöhe deutlich geringer ist als seine Breite. So
gewinnt, stark unterstützt durch die kraftvolle
Holzbalkendecke, die Kirche etwas Behäbig-Ruhiges. Sehr
schöne Ausstattungsstücke geben dem Raum Atmosphäre.
Auf dem Altar steht ein Aufsatz, der volkstümlich wirkt. Die
Bildfolge von Abendmahl, Kreuzigung und Auferstehung wird von
zierlichen, aus flachem Holz gesägten Schleierbrettern
mit vielen aufgelegten Buckeln und Beschlägen eingefaßt.
Auch die obligaten Säulen fehlen nicht, sie sind ebenfalls
sehr schmal und leicht. Am Triumphbogen rechts steht die Kanzel.
Breit hingelagert, fällt sie etwas aus dem üblichen
Rahmen. Als Bilder zeigt sie Christus und die vier Evangelisten.
Eine noch funktionstüchtige Sanduhr mit vier
Gläsern, die dem Prediger helfen sollte, die Zeit seiner
Predigt einzuteilen, blieb hier erhalten. Die aus Stein gehauene
Taufe zeigt in den vier Himmelsrichtungen Cherubenköpfchen,
von denen eines allerdings durch das Wappen der Kospoths ersetzt
ist. Die dreiseitige Empore steht auf sogenannten
Tauwerksäulen, aus Holz gehauenen, gedrehten Ständern,
die Zeugnis geben vom soliden Können der Zimmerleute, die die
Kirche einst bauen halfen.
Ein hübsches Zeugnis früherer
Gemeindesitten ist ein auf einem drehbaren Ärmchen an der
rechten Empore angebrachter Kranich. Nach mündlicher
Überlieferung wurde er herausgeklappt, wenn
Abendmahlsgottesdienste gefeiert wurden, um die
Gemeindeglieder darauf
hinzuweisen.
Zuständiges
Pfarramt:
Ev. Luth. Kirchgemeinde Möschlitz
07907 Möschlitz, Burgker Str. 6,
Tel (03663) 420717
Pfarrer Kai Weber
Link zu Oschitz: http://www.bergland-oschitz.de/index.htm