(Gräfenwarth gehört politisch zu Schleiz, kirchlich zu Saalburg)
Das früheste,
was wir von Gräfenwarth wissen, ist, daß es dem Kloster zu
Saalburg gehörte.
1534 beschweren sich die Gräfenwarther bei den Visitatoren, sie
hätten früher, zur Klosterzeit, regelmäßig Messe
und Predigt gehabt, nun aber käme der Pfarrer, wann er wolle,
früh, wenn sie noch in den Betten lägen oder spät am
Nachmittag oder überhaupt nicht. Offenbar hatte der ehemalige
Klosterkaplan die Reformation sehr persönlich aufgefaßt.
Die Kirche zeigt einen schlichten, gotisch anmutenden Baukörper.
So möchte man annehmen, daß sie Mitte des 14.
Jahrhunderts gebaut wurde, was zum zunehmenden Einfluß des
Klosters in dieser Zeit passen würde.
Ihre jetzige Ausstattung stammt fast vollständig aus der Zeit des
18. Jahrhunderts und blieb nahezu unverändert erhalten.
Der eher kleine Kirchraum wird durch Gestühl und zwei Emporen so
geschickt ausgenutzt, daß er etwa 180 Sitzplätze bietet,
ohne eng zu wirken.
Etwa 1750 wurde die Kirche ausgemalt, wobei Englischrot und
Ocker auf weißem Grund die Hauptrolle spielen. Das verleiht dem
Raum eine eigentümlich gelöste Atmosphäre.
Die theologische Konzeption der Bildausstattung ist bemerkenswert. In
die Brüstungsfelder der Emporen sind über vierzig Bilder
gemalt, wobei jedesmal einem neutestamentlichen Bild eines aus dem
Alten Testament zugeordnet wird, um Verheißung und Erfüllung
der biblischen
Botschaft darzustellen. Allegorische Bilder fehlen völlig, das
einzige
nichtbiblische Bild zeigt am alten Beichtstuhl einen evangelischen
Pfarrer
in Albe - einer Art weißem Talar - dem als alttestamentliches
Gegenbild
Moses auf dem Sinai zugeordnet wird. Man nennt diese Darstellungsweise
„typologisch“.
Der Altar von 1784 wirkt trotz bescheidener Ausführung
recht festlich. Am Kirchenältestenstuhl neben dem Altar sind heute
noch in der Gemeinde vertretene Namen zu lesen. Das kunsthistorische
Juwel der Kirche ist die 1771/ 1772 von dem berühmten
Orgelbauer Friderici in Gera errichtete Orgel. Da sie
größtenteils im Original erhalten blieb, besitzt sie heute
einen unschätzbaren musikgeschichtlichen Wert.
Zuständiges Pfarramt:
Saalburg, z.Z. nicht besetzt
Vertretung: Pfarrerehepaar Winterberg
07907-Schleiz, Kirchplatz
3
Tel (03663)
42 44 450
Text: Peter Weiss, "Kirchen im Oberland", Berlin 1988
Fotos: aus einer Jubiläumsmappe der Kirchgemeinde,
Photo-König, Lobenstein
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