Die Katholische Kirche St. Paulus, Schleiz

Von 1945 bis 1990 mußte die katholische Gemeinde auf den Bau einer Kirche warten. Bis dahin behalf sie sich mit einer Baracke als Provisorium.
Erst 1990 entstand dieser moderne, sehr einladende Sakralbau.
Ein Glasfirst im Kir­chendach läßt den Raum hell und weit erscheinen.



Als in der Bombennacht 1945 das Schloß zerstört wurde und damit auch die Schloßkapelle, gab es für die katholischen Christen in Schleiz den Gottes­dienstraum nicht mehr, in dem sie seit 1925 zu Gast waren.
Erst als Devisen für den Staat wichtiger wurden als weltanschauliche Prinzipien, durfte gebaut wer­den - nicht an zentraler Stelle und nicht weithin sichtbar. Trotzdem - damals wie heute ist Dankbarkeit bei den Menschen zu spüren. Es ist ihre Kirche, ihr Ort des Gebetes, wo Leben und Sterben des Menschen gefeiert werden.
Im Jahr 1947 gelang es, aus Barackenteilen ehe­maliger Wehrmachtsbestände eine Notkirche im Innenhof der Gerbergasse Nr. 23 zu errichten. Die­ses scheinbare Provisorium wurde bis 1990 eine Dauerlösung. Viele fleißige Menschen verwandel­ten in den Jahren diese Kriegsunterkunft in einen würdigen Gottesdienstraum. Die Notkirche war ein Teil von ihnen geworden und besonders liebgewordene Stücke lassen sich in der neuen Kirche wiederfinden:
Die wertvolle Schönefeld - Orgel und eine geschnitzte Paulus - Figur. Erkennbar an Buch und Schwert steht der Schutzpatron der Kirche neben dem Eingang und schaut nach vorn in den Altarraum.
Der Altar aus Stein, Mittelpunkt jeder Heiligen Messe, ist von Werner Nickel aus Nienburg gestaltet worden.
Darüber an der Rück­wand hängt lebensgroß der gekreuzigte Christus. Reinhart Flöth aus Taucha bei Leipzig schnitzte den Corpus. Der Künstler hat in diese Gestalt, trotz durch­kämpften Leidens, sehr viel Frieden gelegt. So ist er für viele in diesem Haus zu einem tröstenden Chris­tus geworden.
Die linke Seite des Kirchenraumes wird von bunten Glasfenstern bestimmt.
Bei Sonnenschein erstrahlen die Fenster in wunderschönen Farben und erzählen die Geschichte des Lebens. Die Fenster, ein Werk von Michael Hofmann aus Dresden, symboli­sieren den Baum des Paradieses, den Lebensbaum. Eingebunden in den Stamm des Baumes trägt Maria das Leben selbst, Jesus, den Sohn Gottes, ausgestattet mit den Königsinsignien. Diese wertvolle Madonna ist ein Geschenk aus Augsburg. Alte und moderne Kunst kann in unserer Kirche gut miteinander leben.
An der Ostseite ist ein interessanter Kreuzweg zu sehen. Bernd Helfritsch aus Schleiz hat ihn geschnitzt. Interessant nicht nur deshalb, weil es ein Laienkünstler war, sondern weil die 14 Kreuzwegstationen, in der Regel als Weg - wie es der Name schon sagt - konzipiert werden. Dieser Kreuzweg allerdings stellt in einem geschlossenen Ensemble den Leidensweg und die Hinrichtung Jesu dar. Eigentlich ist damit unsere Kirchenführung schon zu Ende, wenn da nicht noch ein Klein­od wäre, was die Beson­derheit einer katholi­schen Kirche ausmacht: der Tabernakel oder der Ort, wo das Aller­heiligste aufbewahrt wird. Ein kleines immer leuchtendes Lämpchen (Ewiges Licht) zeigt dies an.
Ein Glasfirst im Kir­chendach läßt den Raum hell und weit erscheinen.
Die Kirche wirkt innen wie ein Zelt, ein wichtiges Bild für das 2. Vatikanische Konzil (1962 -1965): Kirche wurde als wanderndes Volk Gottes defi­niert, das sein Zelt unter und bei den Menschen aufstellt, um ihnen nahe zu sein. Außen sind es Konturen eines Schiffes, dessen Bugspitze der Glockenturm ist. Auch das ist ein vertrautes Bild. Kirche und ihre Menschen, die auf dem Ozean des Lebens allen Stürmen der Zeit ausgesetzt sind, aber ein Ziel haben: den sicheren Hafen in Gott.
Wer noch ein wenig weiter schauen will, wird erfahren, es gibt neben und unter der Kirche noch Wohn- und Gemeinderäume. Ein großer Saal, Grup­penräume, Sanitäranlagen und eine Gemeinde­küche, d. h. zum Gemeindeleben gehören neben dem gottesdienstlichen Geschehen auch die pro­fanen Dinge des Lebens.